Zusammenfassung Genetik der Farben

Diskutiere Zusammenfassung Genetik der Farben im Rassen, Farben und Zucht (Archiv) Forum im Bereich Archiv; Haj Meerifreunde, aufgrund gesteigerter Nachfrage (und einer schlapp gemachten HP und Chaos im Mailkasten ... :D )... hier die angesprochene...

  1. #1 Eickfrau, 19.01.2004
    Eickfrau

    Eickfrau Herr der Schweinchen

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    Haj Meerifreunde,

    aufgrund gesteigerter Nachfrage (und einer schlapp gemachten HP und Chaos im Mailkasten ... :D )... hier die angesprochene Genetikdatei.
    Die Rassen kommen später (irgendwann ...) ;) :

    Genetik beim Meerschweinchen
    Teil 1: Die Fellfarben

    Für die Vererbung der Fellfarben sind beim Meerschweinchen 6 verschiedene Gene, in jeweils mehreren Allelen (= „Zustandsformen“ von Genen = Variationen) bekannt => A B C E P S

    Das Meerschweinchen besitzt „nur“ zwei Grundfarben (Schwarz und Rot) – und zusätzlich Weißscheckung.
    Durch die verschiedenen Allele und ihre Kombination untereinander, entsteht die uns heute geläufige breite Farbpalette beim Meerschweinchen.

    Im Genom des Meerschweinchens sind Allele immer doppelt angelegt (diploid), mit Ausnahme der Keimzellen (Ei und Samen).

    Dominante Allele werden mit großen Buchstaben gekennzeichnet – sie überdecken (verbergen) die rezessiven Allele (= mit kleinen Buchstaben beschrieben).

    Im Folgenden versuche ich eine möglichst vollständige Zusammenfassung aller bisher bekannten Farbgene (und ihrer Variationen) beim Meerschweinchen, aufzuzeichnen.
    Ich beginne jeweils mit den „dominantesten“ Allelen eines Gens und arbeite mich dann zu den „rezessivsten“ durch. Oftmals besteht jedoch keine vollständige Dominanz, so daß auch die (eigentlich überdeckten) rezessiven Allele ein dominantes Allel beeinflussen.
    Zwei kleine Buchstaben zusammen, meint eine „Potenz“ – bsp. ca = c „hoch“ a.

    A --> „Agoutifaktor“
    A = Agouti
    ar = Solid-Agouti (= Agouti ohne Bauchstreifen, vollständiges Ticking)
    at = Tan/Fox
    a = „non-Agouti“ -> schwarz

    B --> „Schwarz/Schoko“
    B = Schwarz
    b = schoko = „Schokofaktor“ -> veranlaßt die Pigmentkörner sich in Klümpchen zu
    lagern, so daß das Fell schoko erscheint.
    Beeinflußt die ganze Fellfarbe:
    - hellt diese auf (bsp. Gold, Creme, ..)
    - verleiht „Braunstich“ (bsp. Slate Blue – unerwünscht!)
    * keine vollständige Dominanz von B gegenüber b!
    --> Tiere mit Bb erreichen nicht die gleiche Farbtiefe und –intensität, wie
    Meerschweinchen mit BB.
    Das ist vor allen Dingen bei der Zucht der Vollfarben (Schwarz und Rot)
    zu beachten. Bei anderen Farben ist die reine bb-Form erwünscht
    (bsp. Schoko, Creme, Buff, ...).

    C --> „Verdünnungsfaktor“ = volle Pigmentierung bis starke Aufhellung
    C = rot/schwarz (volle Farbe)
    cd cd = buff/dunkelsepia (Schwarzverdünnung/Rotverdünnung) ...
    cd cr = dunkelcreme/dunkelsepia
    cd ca = (hell)creme/hellsepia --> Sable
    cr cr = weiß d.e./dunkelsepia --> „Chinchillafaktor“ (bsp. b. Silberagouti)
    cr ca = weiß f.e./hellsepia --> Sable
    ca ca = weiß p.e./Himalaya --> „Himalayafaktor“

    ck => ein Gen, daß das schwarze Pigment wenig und rotes Pigment stark verdünnt.
    In der Rassemeerschweinchenzucht spielt es „keine“ Rolle.
    ck ck und ck cd = zu dunkles Creme
    ck cr und ck ca = weiße Tiere mit cremefarbenem Anflug (Eiscreme)
    Mit Hilfe des ck ist das Lemonagouti entstanden: AA BB ckck EE PP SS
    Es ist ähnlich dem Grauagouti, jedoch mit klar schwarzem Ticking auf dem dunkelcremefarbenen (buff?) Fell.

    • siehe hierzu auch, was Ilse Pelz in ihrem Buch „Mehr über Meerschweinchen“ (S. 84 f) schreibt.
    • besonders verwirrend fand ich in diesem Zusammenhang Eva Roscher`s Seite, da sie Lemonagouti einmal pseudonym für Grauagouti verwendet – und cd als ck kennzeichnet.
    Dazu muß gesagt werden, daß Eva sich an einem englischsprachigen Buch orientiert hat, wo auch einige andere Bezeichnungen verändert sind.

    E = Extension --> „Farbausdehnungsfaktor“
    E = volle Ausdehnung von Schwarz --> Schwarz (aa) bzw. Agouti (A*)
    ep = trennt rote von schwarzen Feldern/Haaren -> Schwarz bzw Agouti neben
    Rot
    bsp.: dieses Gen spielt eine zentrale Rolle bei den Farbzeichnungen
    Schildpatt, Brindle, Japaner, ...
    e = volle Ausdehnung von Rot – mit gleichzeitiger Überdeckung von Schwarz bzw
    Agouti (= „macht den Agoutifaktor unsichtbar“)
     Tieren mit ee (bsp. einfarbig rot oder creme) ist nicht anzusehen, ob sie
    AA (Agouti) oder aa (schwarz) haben!

    P = „Pale(Aufhellungs)-Faktor“ --> führt zur Aufhellung von Schwarz, ohne
    Rot zu beeinflussen
    P = „Dunkelauge“ --> keine Aufhellung = Schwarz
    pr = „Rubinaugenfaktor“ --> Schwarz wird zu blaßgraubläulich (Slate Blue)
    p = „Rotaugenfaktor“ --> Schwarz wird zu blaßgraurosa (Lilac) *

    * diesen Faktor haben alle Agentes (= rotäugige Agoutis mit Tipping statt Ticking) – AUßER die Slate Blue-Agentes!

    S = Weißscheckung (hat nichts mit Schimmel zu tun!)
    hierbei intermediärer Erbgang (= eigenes Erscheinungsbild der spalterbigen
    Form Ss)
    SS = keine Weißscheckung (ein oder zwei weiße Zehen sind jedoch möglich)
    Ss = weniger als 50% weiß --> geeignet für Schildpatt-weiß, da hierbei die
    vorkommenden Farben (schwarz, rot, weiß)
    zu gleichen Teilen (jeweils 1/3) vorkommen sollen.
    ss = über 50% Weißscheckung (bis hin zu fast vollständig weißen Tieren, die
    irgendwo noch ein Pünktchen Farbe aufweisen)


    Rn = „Schimmelfaktor“ --> verantwortlich für das Entstehen von Schimmeln und
    Dalmatinern (je nach Zuchtselektion)

    Über die Vererbung von Schimmeln/Dalmatinern gibt es vielfältige gute Informationen. Ich möchte sie nur kurz an dieser Stelle erwähnen.
    Der Vollständigkeit halber und um ausdrücklich zu betonen, daß diese Farbzeichnung NICHTS mit der Weißscheckung oder der sonstigen Fellfarbe zu tun hat – es ist ein eigenes, selbstständiges Gen.
    Inwiefern es Sinn macht, von einer Farbe die Schimmel-Variante zu ziehen oder wo es gefährlich ist, gehört in das Kapitel „Schimmelzucht“.

    Rn Rn = letal (= nicht lebensfähig) --> „Letal Whites“
    Rn rn = Schimmel/Dalmatiner
    rn rn = kein Schimmel --> jedes Tier mit Weißscheckung sollte rn rn haben,
    d.h. KEIN Schimmel sein!

    Dies ist eine Zusammenfassung aus verschiedenen Quellen, zT Internet, zT Bücher.
    http://mitglied.lycos.de/Hibernia/MSBibliothek-Dateien/farben.html
    http://520099447280-0001.bei.t-online.de/meerschweinchen/standard.htm = Meerschweinchen-Zuchtstandard vom OnlineCaviaClub - Farben und Rassen mit vielen Beispielen
    http://people.freenet.de/EvaRoscher/Genetik.html = RMSZ vom Soestbach - manchmal etwas verwirrend durch andere Abkürzungen, jedoch mit einem sehr guten Link bei den Literaturhinweisen ganz am Ende:
    Thea Paar -> Genetik der Fellfarben einmal anders erklärt ...


    Viel Spaß beim Lesen!

    Viele Grüße
    Bianca
     
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  3. catdog

    catdog Guest

    Genetik

    Hallo Eikfrau

    Also das mit der Genetik ist ja sowas von kompliziert !

    Du musst ein helles Köpfchen sein, wenn du das alles so leicht kapierst.
    Also ich für meinen Teil habe deinen Beitrag gleich mal ausgedruckt um mir das als Bettlektüre reinzuziehen :D

    Nein, wirklich, alle Achtung ! Da qualmt der Kopf nachher.

    Schicke dir bald noch eine PN, habe nähmlich demnächst meine eigene HP mit den Tieren drauf !

    Tschüüüü

    Catdog
     
  4. #3 Eickfrau, 19.01.2004
    Eickfrau

    Eickfrau Herr der Schweinchen

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    Haj Claudia,

    leicht? Ich hab mich erst gar nicht rangetraut an die Farben :D .
    Rassen (d.h. Fellstrukturen) sind einfacher.
    Aber wenn man erst einmal die Grundzüge der Farbvererbung begriffen hat - im Grunde genommen ist es ein Puzzlespiel ;) .
    Und macht Spaß!!! Und süchtig :D .
    Was mir allerdings bei einigen Verpaarungen noch fehlt ist die züchterische Erfahrung. ZB muß man bei einigen Farben den Gelbverstärker beachten ... ;)

    Viele Grüße
    Bianca
     
  5. Gizmo

    Gizmo Guest

    Ich bin noch ein Frischling in Genetik :-D :p.
    Aber ich lerne schnell:D.

    Lg
    Jenny
     
  6. Birgit

    Birgit Guest

    Ich hab mir die Seiten von "Golden Nuggets" vor die Brust genommen und alles wortwörtlich abgeschrieben. Das hat mir mehr geholfen als es nur zu lesen.

    Eigentlich ist es gar nicht so schwer, wenn da nicht ständig diese Ausnahmen wären.
    Wenn ich für ein Schwein zehn mal die Erbformel schreiben müsste, hätte ich am Ende 5 verschiedene Versionen. *g* Aber ich werde immer besser *hust*.

    Aber versuchts mal mit abschreiben, das hilft.
     
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